Der 30 jähriger Krieg und Saaz

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Saaz eine blühende Stadt mit großem wirtschaftlichen Potential, bis der 30 jähriger Krieg begann. Es war die Stadt des Hopfens und überall in der Gegend gab es Hopfengärten. An den sonnigen Hängen wurde Wein angebaut und große Gerstenfelder prägten die Landschaft. In der Stadt waren vor allem die Gerber, Kürschner und Metzger von Bedeutung.

Saaz war eindeutig eine utraquistische Stadt, es lebten hier auch einige Mitglieder der reformatorischen Gemeinschaft der Böhmischen Brüder, von Katholiken wissen wir nichts. Hinsichtlich der Nationalitäten war Saaz überwiegend tschechisch, aber schon ab dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts lesen wir im Bürgerbuch der Stadt, dass ungefähr 50 % der Neubürger aus Deutschland oder deutschsprachigen Gebieten Böhmens zugezogen sind.

Im Mai 1618 begann mit dem Prager Fenstersturz der Dreißigjährige Krieg. Die Stadt Saaz beteiligte sich von Anfang an am Aufstand gegen die katholischen Habsburger. Welcher Art war diese Beteiligung? Sie vollzog sich auf zwei Ebenen. Die Saazer zahlten den Ständen, der böhmischen Ständeregierung Militärabgaben und stellten auch Soldaten für eine Landwehr, die sich an den Zügen der Ständearmee beteiligten.

Nach dem Tod des römischen Kaisers Matthias, im März 1619 erkannten die böhmische Stände dessen Nachfolger Ferdinand II nicht mehr als König an. Sie schlossen sich zu einer Konföderation zusammen und erklärten durch einen Generallandtag den katholischen Ferdinand als abgesetzt. Am 26. August wählten die in der Konföderation zusammengeschlossenen Länder den protestantischen Friedrich von der Pfalz zum neuen böhmischen König, der später als „Winterkönig“ in die Geschichte eingehen sollte.                                             

„Als beschlossen wurde, dass Ferdinand II abgesetzt wird, und Friedrich von der Pfalz zum tschechischen Herrscher zu erheben, zögerte dieser nicht und brach sofort nach Böhmen auf. Da er von Waldsassen kam, machte er auf seinem Weg nach Prag am 27. Oktober 1619 in Saaz halt. Er wurde überschwänglich begrüßt, da seit 60 Jahren kein böhmischer Monarch die Stadt besucht hatte. Er bekam von den Bürgern eine große, dekorative Schale aus Kupfer überreicht und wurde im Haus des damaligen Bürgermeisters von Saaz Maximilian Hošťálek beherbergt. Das Haus steht heute noch. Es ist die Alte Post in der Nähe des Rathauses.“

In der Schlacht am Weißen Berg am 8. November 1620 erlitt das Heer des böhmischen Königs gegen die katholische Liga eine vernichtende Niederlage.

  

Die Stadt Saaz zögerte jedoch lange, sich auf die Seite der Sieger zu schlagen. Waldstein, Albrecht von Wallenstein hatte Anfang November, noch vor der Schlacht am Weißen Berg die Stadt Louny besetzt, die sich ihm ergeben hatte. Er schickte den Saazern Gesandte, dass sie sich auch ergeben sollten. Dies hat die Stadt aber abgelehnt. Zur Kapitulation kam es dann eigentlich erst auf Druck der tschechischen Stände, die in Prag kapitulierten. Saaz wurde von der Armee Wallensteins besetzt. Wallenstein erlegte der Stadt sofort eine große Geldbuße auf und ließ sie Schutzgeld zahlen“

Aber auch der Kaiser rächte sich jetzt an den aufständischen Böhmen. Am Altstädter Ring im Zentrum der Prager Altstadt wurden im Jahre 1621 siebenundzwanzig Vertreter der böhmischen Elite hingerichtet. Unter ihnen auch Maximilian Hoštálek, der Bürgermeister der Stadt Saaz, die gerade in der frühen Neuzeit eine der wichtigsten königlichen Städte in den böhmischen Ländern war.

Das Blutgericht zu Prag am 16. Juni 1621

Das Wahlkönigtum wurde abgeschafft und Böhmen wurde zum habsburgischen Erb- königreich. Bis zur Gründung der 1. Tschechoslowakischen Republik im Jahre 1918 blieben die böhmischen Länder nun über 300 Jahre ein Teil der habsburgischen Monarchie.

Saaz war wegen seiner strategisch guten Lage an der Kreuzung wichtiger Handelsstraßen für beide Kriegsparteien von großer Bedeutung. In der Stadt befand sich ein großes Proviantlager aus denen Armeen versorgt werden konnten. Aber das Leben war schwierig, da die Stadt praktisch ständig von einer Armee besetzt war. Und diese Armeen gingen reichlich brutal vor. Das Problem war, dass jedes Regiment, das in der Stadt stationiert war, eine bestimmte Zuteilung erhalten sollte, die aber die Proviantoffiziere des Regiments bekamen. Die betrieben aber mit diesen Beständen eigenen Handel und Schiebungen.  So ist für die gemeinen Soldaten nichts übrig geblieben und sie nahmen sich selbst was sie brauchten.

Wilhelm von Diez, Plünderung im 30-jährigen Krieg

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