Saaz im 19. Jahrhundert

Saaz im 19.Jahrhundert,  als sich in Europa Ereignisse von großer Tragweite vollzogen, waren die Saazer Bürger ganz von ihren eigenen Problemen eingenommen. Es ging um den Neubau der Bürgerlichen Brauerei und die Neuerrichtung des Gymnasiums. Unter dem Kreishauptmann Wussin 1820 und Baron Schönau ab 1823 erfuhr die Stadt eine große Verschönerung, sie wurde mit einem Ring von Parkanlagen umgeben. 1848 baute sich die Bevölkerung ihr Stadttheater, von der Revolution merkte man nur wenig.
1856 wird Saaz an das Telegrafennetz angeschlossen; 1857 wird das Krankenhaus gebaut.

Der Hopfenhandel wird weiter ausgebaut und 1860 gibt Dr. Seifert die Zeitschrift „Der Hopfenhandel“ heraus.
Um 1870 beginnt in Saaz die Gründerzeit. Neben dem bereits bestehenden Ge-sang- und Musikverein wurden die freiwillige Feuerwehr, der Kredit- und Hypothekenverein – aus dem die städtische Sparkasse wurde – und die Gasanstalt, sowie die Zuckerfabrik gegründet. Das Bahnhofsgebäude konnte Seinen Betrieb aufnehmen, der israelische Tempel und die Kirche am neuen Friedhof konnten eingeweiht werden.

Saaz wurde Eisenbahnknotenpunkt und mit den wichtigsten Handelsplätzen Wien über Prag, Nürnberg über Eger, Berlin über Teplitz-Dresden und München über Pilsen-Regensburg direkt verbunden. Die Industrialisierung setzte ein.

Saazer Marktplatz am Anfang des 19. Jahrhundert

Der Kampf um die Vorherrschaft im Deutschen Bund  führte 1866 zum sogenannten „Deutschen Krieg“ zwischen dem habsburgischen Österreich und dem aufstrebenden Preußen. Nach der Niederlage des Vielvölkerstaates Österreich in der Entscheidungsschlacht bei Königgrätz kamen die Habsburger derart in Bedrängnis, dass sie die Forderungen der Nationalitäten nicht mehr ignorieren konnten. Das Königreich Ungarn erlangte 1867 durch den österreichisch-ungarischen Ausgleich die innenpolitische Selbständigkeit. Von nun an existierte die K.u.K. Doppelmonarchie.  Der tschechischen Nationalbewegung wurde eine nationale Gleichstellung nicht zugestanden.

Tschechische Politiker forderten jedoch auch einen innenpolitisch unabhängigen Staat mit dem Regierungssitz in Prag. Die meisten Deutschböhmen lehnten das kategorisch ab, weil sie unter einer tschechischen Regierung nicht zur Minderheit werden wollten. Für sie wurde dies immer mehr zu einer existenziellen Herausforderung.

Saaz spielte in dieser Situation eine große Rolle. Ich möchte hier an die so genannte Badeni – Krise Verordnung von 1897 erinnern. Der damalige Ministerpräsident der österreichischen Reichsregierung Kasimir Badeni hatte die Durchsetzung der Sprachgleichheit zwischen der deutschen und der tschechischen Sprache im ganzen Königreich vorgeschlagen. Das hat natürlich in den deutschsprachigen Gebieten, besonders in Nordwestböhmen, große Demonstrationen und Krawalle hervorgebracht. Gerade Saaz war davon im Jahr 1897 betroffen. Auch als die Badeni Regierung kurz darauf zurücktrat und die Anordnungen zurückgenommen wurden, kam es in Saaz noch zu Konflikten.

Die deutsche Bevölkerung, vor allem Studenten und Mitglieder der Burschenschaften haben tschechische Einrichtungen angegriffen, Fenster zertrümmert und es ist zu Raufereien in Gasthäusern gekommen. Diese mal grausamen, mal eher lächerlichen Ereignisse, gehören zur gemeinsamen tschechisch- deutschen oder deutsch- tschechischen Geschichte, nicht nur in Saaz.

Ein weiteres Beispiel sind die Schicksale von Minderheitsschulen. Konkret das der Minderheitsschule von Saaz, die Ziel eines Angriffs der deutschen Bevölkerung wurde. Man hatte beschlossen, diese Schule zu liquidieren. Und so versammelten sie sich unter dem Gesang des deutschen Liedes „Die Wacht am Rhein“, was im Fall von Saaz etwas komisch wirkt, da Saaz an der Eger liegt, und versuchten diese Schule zu zerstören

Das tschechische Vereinshaus „Vratislav“ (Frosch) in Saaz

Gewaltsame Angriffe verübten allerdings in mehrheitlich tschechisch geprägten Regionen auch Tschechen gegen Deutsche und ihre Einrichtungen, so dass beide nationalen Gruppen gleichermaßen zur Eskalation des Konfliktes beitrugen.

 

Zum Ende des 19. Jahrhunderts war Saaz eine deutsch geprägte Stadt. Hier lebten jetzt ca. sechzehntausend Einwohner 10 Prozent davon waren Tschechen. Dazu kam eine starke jüdische Gemeinde. Die hier ansässigen Juden fühlten sich in der Regel als Deutsche, blieben aber ihrer jüdischen Religion treu.

Rotes Tor mit Rotem Turm (auch Kapuzinertor genannt), am Kapuzinerkloster

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