Saaz in der Tschechoslowakischen Republik

Am 28. Oktober 1918 wurde in Prag die Tschechoslowakische Republik ausgerufen. Zum ersten Präsidenten wurde Tomáš Masaryk gewählt, der am 21. Dezember aus dem Exil zurückkehrte und die Regierungsgeschäfte übernahm. Und so wurde die ehemals privilegierte deutsche Mehrheit in den böhmischen Ländern, und damit auch in Saaz, zur einer nationalen Minderheit in der Tschechoslowakei. Sie besaß nicht mehr die bevorzugte Stellung wie zuvor in der K.u.K. Monarchie. Aus diesem Grund sind wir Zeugen einer großen Unzufriedenheit, denn die Sudetendeutschen durchleben eigentlich eine zweifache Niederlage, einmal als Deutsche, da die Deutschen den 1. Weltkrieg verloren haben, und einmal als Sudetendeutsche, die sich jetzt mit der Existenz der Tschechoslowakei abfinden müssen, und der Tatsache, dass sie jetzt in einer tschechoslowakischen Republik leben. Denn diese Deutschen wollen nicht ein Teil der Tschechoslowakei werden. Tschechisch und Slowakisch galten als Staatssprachen. Das heißt allein dieses war ein Signal, dass die Deutschen eigentlich nur eine Minderheit in einem Tschechoslowakischen Staat waren, wo sie sich unterzuordnen hatten.

Parade der tschechoslowakischen Armee am 6. 12.1918 am Ringplatz

Kaiser Franz Josef – Denkmal in Saaz

Am 6. Dezember 1918 rückte am frühen Morgen tschechisches Militär in Saaz ein. Die Stadt wurde ohne Zwischenfälle übergeben. Große Empörung weckte die Zerstörung des Denkmals für den habsburgischen Kaiser Joseph II. Die Statue wurde in der Eger versenkt, der Kopf des ehemaligen Herrschers landete im Mühlgraben.

In der Folgezeit blieb Saaz eine deutsch geprägte Stadt, jedoch gab es bedeutende Veränderungen. Viele ehemalige österreichische Beamte bei Post und Bahn, bei Polizei und Gericht, oder im Schuldienst wurden entlassen. Letztlich musste ab Anfang der zwanziger Jahre jeder, der in den Staatsdienst der Tschechoslowakei treten wollte, die tschechische Sprache beherrschen, auch in Gebieten mit mehrheitlich deutscher Bevölkerung. Viele bestanden diese Prüfung nicht. Ein anderer Fall ist, dass in diesen Gebieten immer mehr tschechische Beamte eingesetzt wurden, unter anderem als Folge der nicht bestandenen Sprachprüfungen von Deutschen, aber eben auch als gezielte Maßnahme um dieses Gebiet gewissermaßen für die tschechoslowakische Nation zu deklarieren. Zu behaupten, dass die Tschechoslowakei ein Nationalstaat war, der Tschechen und Slowaken, bei einer Minderheit der Deutschen von 24 Prozent war höchst problematisch. Und eine tschechische und slowakische Nationalsprache zu deklarieren und Deutsch zu einer Minderheitensprache, zu degradieren war in so fern ein großer Fehler, als damit der Unwille der deutschen Bevölkerung sich mit der Tschechoslowakei zu engagierten stark gestiegen ist.

Um die Situation aber zu begreifen, müssen wir erwähnen, dass die Deutschen zwar in der Position einer Minderheit sind, aber eine gute Schulbildung garantiert wird. Sie haben deutsche Grund- und Mittelschulen, eine deutsche Universität und weitere deutsche Hochschulen auf dem Gebiet der Tschechoslowakei. Aus dieser Sicht haben die Deutschen ein Maximum an möglichen und denkbaren Rechten als nationale Minderheit.

So war die Lage der Deutschen in der Tschechoslowakei trotz mancher Unzulänglichkeiten um ein Vielfaches besser als die von vielen Minderheiten in anderen Staaten des östlichen Europa. Dennoch machten einige Grundvoraussetzungen das Zusammenleben im neuen Staat aus deutscher Sicht schwierig.

 

Wochenmarkt in Saaz

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